Lothar Windstärken in Brunnen

Wellengang in Brunnen
Letzte Nacht fegte der Föhn mit rund 147 km/h durch das Urnerland. Nachdem der Föhn diese Kraft über den rund 10km lange Urnersee nach Brunnen ausüben konnte, donnerten die Wellen in Brunnen aufs Ufer zu.
Gestern Abend war ich mit einigen Kollegen in Seewen. Man spürte den Wind, ging aber von einem normalen Föhnsturm aus. Als ich kurz nach Mitternacht den Talkessel Schwyz mit dem Töff überquerte, merkte ich, dass gewisse Böen extrem schnell sein müssen.
Um zwei Uhr verabschiedete ich mich von meinen Kollegen und machte mich auf den Weg zum See. Leider musste ich feststellen, dass ich nicht der einzige bin. Bereits standen 6 Fotografen und ein Kameramann am Hafen.
Als ich mein Material auspackte, kam ich mit einem Mann, ungefähr 45 Jahre alt, ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er und sein Kollege Sturmjäger aus Baden sind. Als er gestern Abend sah, dass sich in der Region Innerschweiz extreme Verhältnisse gebildete haben, machte er sich auf den Weg in unsere Region. Laufend bekamen sie die aktuellen Messdaten auf ihren Laptop. Später versuchten sie mir auch zu erklären warum dieser Sturm eine solche Kraft hat.
Nach nahezu einer Stunde plaudern wartete auch ich auf eine grosse Welle um sie fotografisch festzuhalten. Später dachte ich, ich hätte eine bessere Idee und begebe mich auf den Parallel-Steg zum Quai. Mit der Kamera zielte ich Richtung Land. Kurze Zeit später rollte eine Welle über den Steg hinweg und ich war nass bis zu den Knien.
Man merkte wie der Föhn und somit auch die Böen deutlich heftiger wurden. Inzwischen bückten wir uns einige male, um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Immer wieder knallte es auch unter dem Steg, da die hochdrückende Wassermenge kaum entweichen konnte.
Die Sturmjäger waren in vollem Elan und schauten dauernd auf den Laptop und hatten Freude sobald sich die Wind-Spitzengeschwindigkeit der Messstation Altdorf erhöhte. Als plötzlich der Wert von 147km/h in Altdorf gemessen wurde, begannen sie zu wetten, ob der Sturm die Spitzengeschwindigkeit von 149km/h, welche damals beim Sturm Lothar in Altdorf auftrat, übertreffen werde. Doch plötzlich wechselte sich die Stimmung bei ihnen. Zuerst schauten wir uns etwas verwirrt an und fragten, was den los sei. Enttäuscht sagten sie uns, dass auf der Ebenalp soeben mit 167km/h ein deutlich höherer Wert gemessen wurde. In diesem Moment stellte ich mir vor, wie sie nun mit dem Auto abfahren, in die Ostschweiz und dann hoch zu dieser Alp laufen, nur dass sie noch stärkerem Wind ausgesetzt sind.
Kurz nach 4 Uhr schickte uns die Feuerwehr weg. Für mich war diese Weisung verständlich. Die Sturmjäger wären aber gerne geblieben. Mussten dann aber zugeben, dass wenn es Jemanden ins Wasser geblast hätte, so hätte dieser keine Chance gehabt. Der Sog und die Kraft des Wassers war so gigantisch, dass ganze Baumstämme an den Quai hochgeschossen wurden.
Heute morgen, als ich mich über diesen Föhnsturm informierte, kam schnell aus, dass ich ziemlich sicher an einem der heftisten Orten war:
| Ort | km/h |
| Ebenalp | 167 |
| Altdorf (UR) | 148 |
| Les Diablerets | 148 |
| Kleines Matterhorn | 143 |
| Eggbergen | 139 |
| Erstfeld | 130 |
Somit hatte der Sturm ähnliche Stärken wie der Lothar welcher 1999 über die Schweiz fegte und der Orkan von letztem Juli.
Der Föhn ist ein Fallwind welcher Sturm- oder Orkanstärken erreicht. Dieser tritt, so laut den Sturmjägern, häufig vor Kaltfronten aus Westen auf. Dabei kühlt die Luft pro 100m Aufstieg 0.5 Grad ab. Auf der gegenüberliegenden Seite erwärmt sich diese wieder pro 100m absenken. Angenommen der Föhn legt die Strecke Lugano bis Brunnen zurück, so steigt die Luft insgesamt 2400m und sinkt 2200m. So erwärmt sich die Luft auf dieser Strecke um 10 Grad.
Die Geschwindigkeit macht der Druckunterschied aus. Wie man auf der Karte unten sieht, war die Differenz in der Schweiz gestern Nacht ziemlich hoch:

In der Schweiz wird dabei der Luftdruckunterschied zwischen Kloten und Lugano gemessen. Dieser sah in der vergangenen Nacht folgendermassen aus:

Auch Philippe Gyarmati aus Zimmerwald (BE) war letzte Nacht in Brunnen und schoss dabei zwei tolle Fotos:


Um euch die Höhe der Wellen zu zeigen:
Da man den Föhn selber nicht bildlich festhalten kann, versuchte ich die Kraft, welche der Föhn auf das Wasser ausübte, fotografisch feszuhalten:


