Wenn das Fussballstadion zur Todesfalle wird...

Wenn das Fussballstadion zur Todesfalle wird...

Vor 25 Jahren stand europaweit eine goldige Nacht bevor. Das Europapokal-Endspiel Juventus – FC Liverppol. Doch vor dem Anpfiff wurde klar, dass trotz Match in Europa diese Nacht nicht gefeiert sondern getrauert wird. 39 Todesopfer und 454 Nerletzte forderte dieses Fussballspiel.

Am Mittag des Tages hatten alkoholisierte Fans in der Stadt randaliert. Bereits eine Stunde vor Anpfiff begannen die Anhänger von Juventus, im Stadion mit Steinen und Leuchtraketen zu werfen. Die Anhänger des FC Liverpool antworteten mit Schmähgesängen und bengalischen Feuern. Zwei Juventus-Fans stürmten auf den Rasen. Um 19.45 Uhr versuchten mehrere hundert Fans des FC Liverpool den benachbarten Block zu stürmen. Im Block Z standen vor allem italienische Fans. Die flüchtenden Juventus-Fans gerieten in Panik. Viele von ihnen wurden gegen eine Mauer gedrückt, die Minuten später zusammenfiel und einen Teil der 39 Todesopfer unter sich begrub.

Die italienischen Fans erhielten die Tickets in Block Z von einem italienischen Reisebüro, das sie von einem korrupten UEFA-Offiziellen bezog. Die Fans durften eigentlich nicht in Block Z stehen, dort sollten sich nur neutrale Zuschauer befinden. Das Stadion erfüllte die Anforderungen der UEFA für ein Europapokal-Endspiel nicht. Zudem war Block Z nur unzureichend gesichert. Es gab als Abgrenzung lediglich einen schwachen Maschendrahtzaun, den man ohne größeren Kraftaufwand problemlos niederdrücken konnte. Die später eingestürzte Mauer war brüchig. Polizisten waren im Block Z nicht anwesend.

Die Partie wurde vom Schweizer Schiedsrichter André Daina mit einer Stunde und 27 Minuten Verspätung angepfiffen. Der Europäische Fußballverband UEFA, der Bürgermeister von Brüssel und die Polizeileitung entschlossen sich aus Sicherheitsgründen dazu. Dies geschah gegen den Willen der meisten Akteure. Das Spiel endete 1:0 für Juventus. Michel Platini verwandelte einen Strafstoß. Viele TV-Stationen, darunter das ZDF, brachen ihre Direktübertragung ab.

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Alle englischen Fußballklubs wurden für fünf Jahre von allen internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen, der FC Liverpool sogar für sieben Jahre. Auch Juventus Turin und der belgische Fußballverband wurden mit Strafen der UEFA belegt.

Nach der Heysel-Katastrophe wurde die Brüsseler Arena neu gebaut und am 23. August 1995 mit dem Spiel Belgien-Deutschland (1:2) als König-Baudouin-Stadion wiedereröffnet. Auf der Tribünen-Rückseite erinnert eine Gedenktafel an die Tragödie. Genau zwanzig Jahre nach der Katastrophe wurde eine 60 Quadratmeter große Sonnenuhr-Skulptur zum Gedenken der Opfer der Stadionkatastrophe von 1985 eingeweiht. Der Designer des Objekts, der Franzose Patrick Rimoux, erklärte, dass italienische und belgische Steine sowie ein englisches Gedicht verwendet würden, um das Bedauern der drei betroffenen Nationen zum Ausdruck zu bringen.

Diese Katastrophe führte einerseits auch zu baulichen Veränderungen in anderen Stadien, besonders in Ländern, in denen große Turniere oder bedeutende Spiele (UEFA Champions League, UEFA-Pokal) stattfinden, und andererseits zu einer anderen Ticketierung, insbesondere bei der WM 2006. So verschwanden aus den Stadien die Zäune, die zuvor die Zuschauer daran hindern sollten, auf das Spielfeld zu gelangen, mit der Konsequenz, dass z. B. gelegentlich Flitzer auf das Spielfeld gelangen. Ferner dürfen bei bedeutenden internationalen Spielen nur noch Sitzplätze angeboten werden, was insbesondere bei eingefleischten Fans abgelehnt wird. Durch die Personalisierung der Eintrittskarten soll zudem verhindert werden, dass bekannte Hooligans ins Stadion gelangen. Weiterhin soll durch eine gesteigerte Attraktivität der Stadien eine neue Klientel (Frauen, Familien) gewonnen werden. Bei wichtigen Spielen, z. B. während der Weltmeisterschaften, zu denen viele ausländische Fans anreisen, kommt es auch verstärkt zur Zusammenarbeit der jeweiligen Polizeibehörden, die soweit geht, dass Polizisten die Fans aus ihrem Land bis in das jeweilige Land, in dem die Spiele stattfinden, begleiten und an neuralgischen Punkten präsent sind.